Was ist eine Schulstraße?

Konkret bedeutet „Schulstraße“, dass die Straße vor der Schule in den Zeiten rund um Schulbeginn und -ende für den Autoverkehr gesperrt ist – meist für eine halbe Stunde. Wenn der größte Ansturm vorbei ist, ist die Straße wie gehabt geöffnet. Es kann so sichergestellt werden, dass alle Kinder die Möglichkeit bekommen, sicher ihren Schulweg zu bestreiten.

Wie kann eine Schulstraße beantragt werden?Lieke Ypma

Eine Schulstraße zu beantragen kann etwas aufwändig sein, wird die Verkehrssituation vor den Schulen jedoch zumindest zu den Hauptverkehrszeiten nachhaltig beruhigen. In dieser Schritt-für-Schritt Anleitung haben wir die wichtigsten Schritte für Sie zusammengefasst. 

1. Gemeinsam nach Lösungen suchen

Suchen Sie zuerst Mitstreiter*innen, die gemeinsam das „Projekt Schulstraße“ voranbringen! Gerade zum Anfang ist das sinnvoll, da eine erfolgreiche Realisierung maßgeblich davon abhängt, dass viele unterschiedliche Akteure möglichst früh in die Überlegungen und Planungen mit eingebunden werden. So kann sichergestellt werden, dass alles glatt geht. Mitstreiter*innen können zum Beispiel sein: 

  • Eltern, Elternvereine oder -vertreter*innen 
  • lokale Initiativen vor Ort als Kooperationspartner*innen (wie beispielsweise die Ortsgruppen des VCD) 

2. Bestandsaufnahme & Argumente sammeln 

Beginnen Sie mit einer umfangreichen Bestandsaufnahme, indem Sie die morgendliche Situation vor der Schule beobachten. Wo liegen die Gefahrenstellen? Welche Situationen sind besonders gefährlich? Dokumentieren Sie Ihre Beobachtungen schriftlich und machen Sie außerdem Fotos. So können später die Forderungen nach einer Schulstraße besser begründet werden. Neben der höheren Verkehrssicherheit und den gesundheitlichen Vorteilen, wird so die eigenständige Mobilität der Kinder gefördert und Kinder lernen frühzeitig sich eigenständig im Verkehr zurechtzufinden. Das sind nur einige der vielen Vorteile des Zufußgehens und Radfahrens für Kinder, die Ihnen Argumentationshilfen für Ihr Vorhaben bieten.

Sie können auch auf bereits erfolgreich umgesetzte Schulstraßen an anderen Orten verweisen und damit Kritiker*innen und Unentschlossene leichter überzeugen. Hierfür sind auch Argumentationshilfen sinnvoll, da oft ähnliche Argumente gegen Schulstraßen vorgetragen werden. Passende Beispiele dafür finden Sie weiter unten im Beitrag. 

3. Schule ansprechen & Konzept erarbeiten

Für den Erfolg einer Schulstraße ist es wichtig gleichermaßen Eltern, die Schulleitung und den Bezirk für die Idee zu überzeugen. Falls die Schulleitung noch nicht mit im Boot sitzt, ist das auf jeden Fall der nächste Schritt. Es ist gut möglich, dass die Schulleitung dem Anliegen positiv gesonnen ist, da sie selbst jeden Tag mit der Verkehrssituation vor der Schule konfrontiert ist. Falls Ihnen doch zunächst Skepsis entgegengebracht wird, bleiben Sie hartnäckig und legen Sie die vielen gesammelten Argumente dar.

4. Verkehrsrechtliche Anordnung einholen

Im nächsten Schritt muss das konkrete Konzept für die Schulstraße herausgearbeitet werden. Arbeiten Sie in diesem Schritt eng mit dem Bezirk, der Polizei und der Verkehrswacht zusammen, um alle Fragen zur Verkehrssicherheit sowie rechtliche Belange wie die verkehrsrechtliche Anordnung der Zufahrtsbeschränkung abzuklären. Im besten Fall treffen die auch alle Anordnungen zur Einrichtung sog. „Schulstraßen mit temporären Durchfahrtsbeschränkungen an Schulen“. Dann können Sie an die entsprechende*n Ansprechpartner*innen Ihrer Kommune herantreten und die Pläne vorstellen.

Hierfür haben wir auch eine Briefvorlage für Schulstraßen erstellt.

5. Alternativen ausprobieren

Mit der Einführung der Schulstraße wird gleichzeitig Raum für Alternativen zum Schulweg mit dem Auto geschaffen. Hier gibt es bereits viele Ansätze, wie etwa der Laufbus. Dabei begleitet zunächst eine erwachsene Person mehrere Kinder auf dem Schulweg. Unterwegs kommen immer mehr Schulkinder (in Corona-Zeiten am besten aus einer Klasse) hinzu, bis der Laufbus schließlich groß genug ist, um ohne erwachsene Begleitung den restlichen Schulweg zurückzulegen.

Weitere Informationen zu dieser Schritt-für-Schritt Anleitung finden Sie hier.

Beispiele von Aktionen zur Einführung von Schulstraßen

Pilotprojekt Wien

In Wien wurden seit Beginn des Pilotprojekts 2019 sechs Schulstraßen eingerichtet. Dank des großen Erfolgs werden diese ständig erweitert. Hier sind vor Schulbeginn und nach Schulende die Straßen 30 Minuten lang für Autofahrer*innen gesperrt, wofür ein temporäres Fahrverbot sorgt. Zur betreffenden Zeit stellen die Schulen Scherengitter auf, die Autofahrer*innen auf die Sperre aufmerksam machen.

Die Mobilitätsagentur Wien hat auch einen hilfreichen Factsheet zu Schulstraßen erstellt.

Weitere Informationen zu diesem Pilotprojekt finden Sie hier.

Grundschule am Tempelhofer Feld Berlin

Die Grundschule versucht aktuell aus der Straße vor dem Haupteingang der Schule eine Schulstraße zu machen. Um Entscheidern und Nutzer*innen zu zeigen wie das funktioniert, wurde am letzten "zu Fuß zur Schule Tag" eine Demo angemeldet, in der die Straße gesperrt und Parken verboten wurde. Die Bilder des Tages sollen in Zukunft dabei helfen, die Schulstraße dauerhaft zu beantragen.

Hier finden Sie das Projekt der Grundschule am Tempelhofer Feld.

 

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