Temporäre Spielstraßen sind Straßenabschnitte, die für einen bestimmten Zeitraum für den Autoverkehr gesperrt und stattdessen für das freie Spiel von Kindern sowie für Begegnung im Stadtteil geöffnet werden. Anders als dauerhafte Spielstraßen handelt es sich hier nicht um eine dauerhafte Umwidmung, sondern um zeitlich begrenzte Aktionen, die zum Beispiel an einem Nachmittag pro Woche oder einmal im Monat stattfinden. 

Die Idee wurde in verschiedenen europäischen Städten, darunter London und Wien entwickelt und wird seit einigen Jahren auch in Deutschland verstärkt aufgegriffen. Insbesondere in dicht besiedelten Stadtvierteln, in denen Kinder nur begrenzt Zugang zu Spielplätzen oder Freiflächen haben, bieten temporäre Spielstraßen eine unkomplizierte Möglichkeit, öffentlichen Raum neu zu nutzen. 

Warum sind sie wichtig? 

Kinder brauchen Platz, um sich auszuprobieren, zu bewegen und gemeinsam zu spielen. In vielen Städten stehen nur begrenzt Flächen zur Verfügung, da Straßen vor allem als Verkehrsflächen betrachtet und Höfe sowie Gärten oft nicht öffentlich zugänglich sind. Temporäre Spielstraßen wirken diesem Mangel entgegen und schaffen gleich mehrere Vorteile:

  • Gesundheit und Entwicklung: Kinder können sich frei bewegen, rennen, toben und neue Spiele ausprobieren. Dies stärkt die motorischem Fähigkeiten und wirkt dem Bewegungsmangel entgegen. 
  • Soziale Begegnung: Spielstraßen sind auch Orte der Nachbarschaft. Eltern kommen ins Gespräch, Anwohnerinnen und Anwohner lernen sich besser kennen, und das Miteinander im Quartier wird gestärkt. 
  • Sichere Erfahrungsräume: Straßen werden von Kindern in der Regel als Gefahrenraum erlebt. In temporären Spielstraßen erfahren sie, dass Straßen auch sichere Orte sein können – wenn Autos mal Pause machen. 
  • Klimafreundliche Stadtgestaltung: Wenn der motorisierte Verkehr regelmäßig Platz macht, wird spürbar, wie Stadtteile lebenswerter und ruhiger werden können. 

Wie können sie eingerichtet werden? 

Ein veröffentlichtes Gutachten des Wissenschaftlichen Parlamentsdienstes des Abgeordnetenhauses von Berlin ist die Einrichtung von temporären Spielstraßen nach den derzeitigen Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung (StVO) problemlos möglich. Die Umsetzung einer temporären Spielstraße mag zunächst aufwendig, ist aber mit guter Vorbereitung gut umsetzbar. Meist sind folgende Schritte notwendig: 

  1. Initiative ergreifen: Häufig starten Eltern, Nachbarschaften oder pädagogische Fachkräfte aus Schulen und Kitas die Initiative. Auch Vereine oder Quartiersmanagements können Träger*innen sein. 
  1. Genehmigung einholen: In der Regel ist eine Genehmigung beim zuständigen Bezirks- oder Ordnungsamt notwendig. Dort wird geprüft, welche Straßenabschnitte geeignet sind und welche verkehrsrechtlichen Anordnungen nötig werden. 
  1. Organisation und Sicherheit: Während der Spielstraßenzeiten muss die Straße abgesperrt werden, meist mit Absperrgittern oder Warnbaken. Freiwillige aus der Nachbarschaft übernehmen Aufsicht und Einlasskontrollen, damit Rettungswege frei bleiben. 
  1. Begleitung und Information: Frühzeitige Kommunikation ist entscheidend. Anwohner*innen sollten wissen, wann und warum die Straße gesperrt wird. Erfahrungsgemäß führt eine solche Transparenz zu größerer Akzeptanz. 
  1. Evaluation und Verstetigung: Nach ersten Erfahrungen können Häufigkeit und Organisation angepasst werden. Manche Spielstraßen beginnen einmalig und entwickeln sich später zu regelmäßigen Terminen. 

Hilfreiche Materialien 

Um temporäre Spielstraßen bekannter zu machen und Kommunen sowie Nachbarschaften zu unterstützen, hat sich 2019 das Bündnis Temporäre Spielstraßen gegründet. Zu diesem Zweck stellt es unter anderem hilfreiche Materialien zur Verfügung. 

Einen sehr hilfreichen Überblick über die rechtlichen Grundlagen, organisatorischen Schritte und Praxisbeispiele bietet der Leitfaden für temporäre Spielstraßen, der in Zusammenarbeit mit der Berliner Senatsverwaltung entstanden ist. 

Darüber hinaus hat das Bündnis einen Schulungsfilm, ein Handbuch für  Kiezlots*innen sowie Argumentationshilfen veröffentlicht.  

 

Gutachten                 Leitfaden                 Schulungsfilm                 Handbuch                 Argumentationshilfen 

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